Michael Croissant – „Figuren und Köpfe“
Jan Wawrzyniak – „Gezeichnete Bilder“

 2. August – 21. September 2008

Vernissage am Freitag, dem 1. August 2008, um 19 Uhr

Während der Ausstellungseröffnung findet ein Programm für Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren unter pädagogischer Leitung von Trude E. Deubig und Dr. Elisabeth Voigtländer statt.

 
Architekturzeichnung auf vergilbtem, eingerissenem Papier

Michael Croissant
Kopf, 1985

Das Museum Pfalzgalerie zeigt eine Ausstellung mit bildhauerischen Arbeiten von Michael Croissant und gezeichneten Bildern von Jan Wawrzyniak. In ihrer Zusammenschau gehen die Kunstwerke einen spannungsvollen Dialog ein und lassen vielfältige, neue Aspekte der Wahrnehmung zutage treten. Zwei Positionen zeitgenössischer Kunst, deren Ausgangspunkt in Realitätserfahrung und –bezug liegt, zeigen die Bandbreite heutigen konkreten Arbeitens.

Michael Croissant geht in seinen Plastiken von der menschlichen Figur aus, die er in geometrisch-abstrakter Form künstlerisch umsetzt. Ihnen liegt eine scheinbar einfache, reduzierte Formensprache zugrunde. Die Verbindung von statischen, ruhigen mit dynamischen, bewegten Elementen kennzeichnet seine Werke gleichermaßen und macht ihre besondere Wirkung aus. Croissants Arbeiten sind eine Gratwanderung zwischen organischer Naturform und geometrischer Vereinfachung. Die Ausstellung zeigt eine Auswahl an Figuren und Köpfen, entstanden während der 1970er bis Anfang der 1990er Jahre. Sie sind ein zentrales Thema in seinem Schaffen. Aus museumseigenem Bestand werden drei bedeutende Werke Croissants gezeigt. Weitere Exponate kommen aus dem Landesmuseum Mainz, dem Städel Museum, Frankfurt/Main, der Neuen Galerie, Kassel, dem Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl sowie anderen Einrichtungen oder stammen aus Privatbesitz. Darunter befinden sich auch Arbeiten, die erstmals in einem Museum vorgestellt werden können.

Michael Croissant wurde 1928 in Landau/Pfalz geboren. Nach einer kunsthandwerklichen Ausbildung in Landau und Kaiserslautern studierte er 1948-53 an der Münchner Akademie der Bildenden Künste bei Toni Stadler. Von 1966 bis 1988 lehrte er als Professor an der Städelschule in Frankfurt am Main und bildete eine große Zahl an Schülern aus. Seit 1991 lebte und arbeitete Michael Croissant in Haar-Gronsdorf bei München, wo er 2002 starb.

Zur Ausstellung erscheint eine Begleitbroschüre von Bettina Ebbinghaus-Hoffmann. Umfang ca. 24 Seiten mit zahlreichen Abbildungen der ausgestellten Arbeiten zum Preis von 5,- Euro (ISBN 3-89422-153-4).

Kohlezeichnung

Jan Wawrzyniak
Gezeichnetes-Bild, 2005
Kohle auf grundiertem Baumwollgewebe

Der 1971 in Leipzig geborene und heute in Halle lebende Jan Wawrzyniak ist Zeichner. Seine zum Teil großformatigen Arbeiten sind in ihren Mitteln radikal reduzierte Hybride zwischen Zeichnung und Malerei. Wawrzyniak trägt auf grundierte weiße Leinwände mit Kohle Linien und subtile flächige Grauabstufungen auf. Die Werke changieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Dabei verunsichern multiperspektivisch gesetzte Konstruktionen und gebrochene Perspektiven die Raumorientierung des Betrachters. Es sind Schwebezustände, es stellt sich kaum Gewissheit ein. In einigen Arbeiten erschweren Gitterstrukturen und Balkenkonstruktionen das Erfassen des räumlichen Konzepts, in anderen drängen große leere Flächen die Erscheinungen an den Bildrand.

Die Irritation der Seheindrücke und eine gewisse Hilflosigkeit beim Versuch, sich räumlich zu orientieren, erinnern an die Erzählwelt Franz Kafkas: Jan Wawrzyniaks Bilder werden in diesem Zusammenhang zu Metaphern von Bedrohung und Entfremdung, von Verletzlichkeit und Gefährdung. Denkbar sind sie als Deutungsmuster, bezogen auf menschliches Empfinden und existentielle Situationen. Wawrzyniaks Bildräume verweigern dem Betrachter den Zutritt und verstricken sein Sehen in immer weitere Fragen, deren Antworten und Auswege offen bleiben.

Zur Ausstellung, die in kleinerem Umfang zuvor in der Kunsthalle Erfurt zu sehen war, und zu einem späteren Zeitpunkt im Museum Dieselkraftwerk Cottbus vorgestellt wird, ist ein Katalog mit einem Text von Karen van den Berg erschienen. Umfang 68 Seiten mit zahlreichen Abbildungen zum Preis von 15,- Euro (ISBN 978-3-9811884-0-0).

 


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