François Morellet, einer der bedeutendsten französischen Maler, Graphiker, Objekt- und Installationskünstler der Gegenwart, steht der Minimal Art, der Op Art und der Geometrischen Abstraktion nahe. Unsere Ausstellung konzentriert sich auf installative Werke von den Anfängen bis heute und präsentiert mit dem 2010 entstandenen 3-teiligen Werk „Acrobatie“ eine eigens für das Projekt konzipierte großformatige Neonarbeit.
Kennzeichnend für die Arbeitsweise Morellets ist die Verwendung von Licht und komplexen Linien- und Formsystemen. Er selbst fasst seine Arbeitsfelder in fünf Gruppen zusammen: Aneinanderreihung, Überlagerung, Zufall, Interferenz und Fragmentierung. In seinen Rauminstallationen mit beweglichen farbigen Neonröhrenelementen, die seit 1963 entstehen, und von 1980 an auch mit Argonröhren, verselbständigt sich die Linie als formales Gestaltungselement.
Ein ironisch-humorvoller Aspekt begleitet sein Werk und seine Selbstwahrnehmung als Künstler: „Ich hoffe, daß man mich schon längst nicht mehr ernst nimmt, ganz besonders, was die Grenzen der Geometrie betrifft.“ Und weiter: „Unter Humor verstehe ich in erster Linie eine auf sich selbst und die gelebten Situationen anzuwendende Ironie.“
(Auszüge aus einem unveröffentlichten Interview mit Muriel Lebert im April 1991, in: François Morellet, Künstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 20, München 1992, S. 14f.)
François Morellet, geboren 1926 in Cholet (Dép. Maine-et-Loire), arbeitete von 1944-1949 als gegenständlicher Maler, bevor er 1950 zur Abstraktion gelangte. Von 1948-1975 war er als Industrieller tätig. Als Mitbegründer der GRAV („Groupe de recherche d’art visuel“, Forschungsgruppe Visuelle Kunst), die von 1960-1968 bestand, schuf Morellet seine ersten Installationen. Die Gruppe machte sich seinerzeit zur Aufgabe, neue Kategorien jenseits von Gemälde und Skulptur zu suchen und dabei neue Gestaltungsmittel für den Kontakt des Publikums mit dem geschaffenen Werk zu finden. Dieser Aufgabe widmet sich François Morellet bis heute konsequent.
Die Ausstellung wird im Rahmen der Reihe „museale“ der Sparda-Bank-Stiftung als „museale 10“ im Museum Pfalzgalerie gezeigt. 2003 wurde der Grundstein für die Kooperation der Sparda-Bank Südwest eG mit sechs Museen in Rheinland-Pfalz und im Saarland mit der museale 1 gelegt. Dabei stellten sich die Museen zunächst gemeinsam in den Schalterräumen der Sparda-Bank in Mainz vor. Der Ausstellung folgten seitdem jährlich im Herbst Einzelausstellungen. 2005 präsentierte sich das Museum Pfalzgalerie mit der museale 4 – Pablo Picasso und Graphik der Ecole de Paris in Mainz.
Statt Museen zu Gast bei der Sparda-Bank Südwest eG heißt es nun „Die Sparda-Bank-Stiftung zu Gast in den Kunstmuseen von Rheinland-Pfalz und dem Saarland.“ Die Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank Südwest eG unterstützt in dieser zweiten Runde der museale jährlich eines der beteiligten Museen mit dem Ankauf eines Kunstobjekts für die jeweilige Sammlung. Dem Museum hat die Sparda-Bank-Stiftung mit der museale 10 den Ankauf des Werkes „Lamentable“ von François Morellet ermöglicht, das ein zentraler Bestandteil der Ausstellung ist.
Katalog: François Morellet „9+1, Installationen“ mit Texten von Hans-Jürgen Lüchtenborg, Vorstandsvorsitzender der Sparda-Bank Südwest eG, Britta E. Buhlmann, Annette Reich und Marie-Amélie zu Salm-Salm, Umfang 48 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Preis 10 €, ISBN 978-3-89422-167-6.