Franz Bernhard

 6. Dezember 2008 – 15. Februar 2009

Anthropomorphe Zeichen

Reliefcollagen und Plastiken 1969 – 2008
 
Blick über den Ateliertisch auf eine Wand mit Farbflächenbildern

Franz Bernhard
Großer Kopf, schwebend, 2007, WV 453, Cortenstahl,
416x415x230 cm

Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern zeigt vom 6. Dezember 2008 bis 15. Februar 2009 einen Querschnitt aus dem umfangreichen Œuvre Franz Bernhards, einem der bedeutenden deutschen Plastiker der Gegenwart. Zahlreiche Arbeiten sind erstmals in einem musealen Kontext zu sehen. Ausgehend von der Werkgruppe der 1976 bis 2005 geschaffenen Reliefcollagen aus verschiedenen Materialien wie zum Beispiel Papier, Karton, Holz, Leim, weißer Fassadenfarbe, Sägespänen, Schnur und Nägeln bildet eine Auswahl von zum Teil großformatigen, meist aus Holz und Eisen gefertigten Plastiken einen weiteren Schwerpunkt. Diese sind über einen nahezu 40-jährigen Zeitraum, von 1969 bis heute, entstanden. Aus dem eigenen Museumsbestand werden vier Arbeiten in die Ausstellung integriert: „Figur 11“, WV 90, von 1970, Holz, Eisen; „Plastik 1/1973“, WV 128a, von 1973, Bronze; „Große Büste“, WV 260, von 1984, Holz, Eisen und „Winkelbüste“, WV 393, von 1999, Gusseisen. Dabei setzt die „Große Büste“ als monumentale Wandarbeit einen besonderen Akzent. Zahlreiche private Sammler, die Staatsgalerie Stuttgart, das Ulmer Museum – Stiftung Sammlung Kurt Fried und das Saarlandmuseum, Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, Saarbrücken, unterstützen das Projekt mit Leihgaben. Zwei „Köpfe“ aus Cortenstahl im Außenbereich des Museums, „Großer Kopf, schwebend“, von 2007, und „Flacher Kopf“, von 2008, kennzeichnen die jüngste Schaffensphase Bernhards.

Franz Bernhard, der im Januar nächsten Jahres seinen 75. Geburtstag feiert, entwickelte im Laufe der Jahre eine Formensprache, der im Bereich der anthropomorphen Gestaltfindung eine wegweisende Rolle in der zeitgenössischen Plastik zukommt. Die Ausstellung zeigt, wie sich schon in seinem Frühwerk wesentliche Form-, Kompositions-, Material- und Inhaltsaspekte in einem Prozess kontinuierlicher, stringenter Fortführung zu einer schlüssigen Gesamtaussage steigern und verdichten. Hauptthema des Künstlers ist der Mensch in verschiedenen Facetten seiner existentiellen Befindlichkeit. Die körperliche Präsenz und geistig-emotionale Ausstrahlungskraft der plastischen und grafischen Arbeiten, die sich zwischen Figuration und Abstraktion bewegen, bestimmen die künstlerische Aussage gleichermaßen.

1934 in Neuhäuser (Nové Chalupy)/ Böhmerwald geboren, übersiedelte Franz Bernhard 1946 nach Siegelsbach im Kreis Heilbronn. Nach einer Schreinerlehre, seinem Abitur und der Tätigkeit in verschiedenen Berufen, studierte er von 1959 bis1966 an der Kunstakademie Karlsruhe bei Wilhelm Loth und Fritz Klemm. Er erhielt mehrere Stipendien, darunter 1963 das Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes und 1969 das Villa-Massimo-Stipendium, Rom. Franz Bernhard zog im Jahre 1972 nach Jockgrim/Pfalz. Hier lebt und arbeitet er. Von 1990 bis 1992 war er Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und von 1994 bis 2002 erster Vorsitzender des Künstlerbundes Baden-Württemberg.

Franz Bernhards Plastiken und Grafiken waren seit den 1960er Jahren in vielen Ausstellungen zu sehen. Werke von ihm befinden sich in zahlreichen privaten und öffentlichen Sammlungen im In- und Ausland. Vielerorts akzentuieren oder befragen sie urbane Situationen. Von den zahlreichen Auszeichnungen, die der Künstler erhalten hat, seien stellvertretend genannt: der Villa-Romana-Preis, Florenz (1968), der Pfalzpreis für Plastik des Bezirksverbands Pfalz (1975), der Hans-Thoma-Preis des Landes Baden-Württemberg (1977), der Kunstpreis des Landes Rheinland-Pfalz (1986), das Bundesverdienstkreuz (1998), der Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz (2004), die Verleihung der Ehrenprofessur des Landes Baden-Württemberg (2004) und der Erich-Heckel-Preis des Künstlerbundes Baden-Württemberg (2007).

Das Ausstellungsprojekt ist in Zusammenarbeit mit dem Edwin Scharff Museum in Neu-Ulm und der Galerie Ruppert in Landau/Pfalz entstanden. Es erscheint ein Katalog mit einem aktuellen „Werkverzeichnis der Skulpturen“ von 2004 bis 2008, einem Vorwort von Britta E. Buhlmann und Helga Gutbrod sowie Textbeiträgen von Annette Reich und Peter Anselm Riedl. Umfang 152 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, Preis 22,- €, ISBN 3-89422-159-3.

Während der Laufzeit der Ausstellung bieten wir ein Begleitprogramm mit Gesprächen, Führungen, einem Filmporträt, einem Kunst(früh)stück und Veranstaltungen für Kinder an.

 


zurück

home