Ausstellung im Graphischen Kabinett

 25. November 2009 – 17. Januar 2010

„Goya und Tapas. Der iberische Beitrag zur modernen Graphik“

Durch eine umfassende Sanierung stehen seit September 2009 im ersten Obergeschoss des Museums Pfalzgalerie neue Räume für Wechselausstellungen mit graphischer Kunst zur Verfügung. Nach dem großen Erfolg der Eröffnungsausstellung mit Picasso-Graphik gibt das Graphische Kabinett nun als zweite Ausstellung vom 25. November 2009 bis zum 17. Januar 2010 einen konzentrierten Einblick in die iberische Druckgraphik.

Francisco de Goya
Tampoco (Auch nicht), um 1810/20
Radierung, Aquatinta und Kaltnadel
Blatt 36 der Folge „Los Desastres de la Guerra“, Inv.-Nr. 55/44

„Goya und Tapas“ bringt die Begegnung mit signifikanten Blättern von Francisco de Goya, Joan Miró, Eduardo Chillida, Antoni Tàpies und anderen bedeutenden spanischen Künstlern aus eigenem Bestand. Ausgehend von Werkbeispielen aus Goyas epochalen Zyklen „Desastres de la Guerra“ und „Caprichos“ werden dieser großen druckgraphischen Tradition Meisterwerke spanischer Druckgraphik der Gegenwart gegenüber gestellt.

In seinem graphischen Werk hat Francisco de Goya (Fuentetodos 1746 – 1828 Bordeaux) einen spektakulären Bruch mit der heiteren Sinnlichkeit des Rokoko vollzogen und sich als kritischer Aufklärer positioniert. Damit stehen seine Graphikfolgen am Beginn der künstlerischen Moderne und haben zugleich Goyas Ruf als einer der bedeutendsten Radierer überhaupt begründet. Die „Caprichos“ sind Launen, Einfälle, Extravaganzen, eine „Sammlung von Drucken launiger Themen“, wie der Künstler selbst geschrieben hat. Goya thematisiert in diesem Zyklus menschliche Irrtümer und Laster, Mißstände und Moralverfall, er wendet sich gegen die Inquisition und wird zum unmißverständlichen Sozialkritiker. Die berühmte Folge der „Desastres de la Guerra“ schildert die Schrecken des französisch-spanischen Krieges von 1808 bis 1813. Goya ergreift hier keine Partei – beide Seiten morden und leiden gleichermaßen. Seine Radierungen zeigen das irrationale Grauen, den Krieg als entmenschlichte Dynamik. Neben den radierten Kriegsfolgen von Jacques Callot und Otto Dix sind die „Desastres de la Guerra“ die eindrucksvollste graphische Anklage gegen den Krieg.

Der Katalane Joan Miró (Barcelona 1893 – 1983 Calamayor) ist einer der bekanntesten Künstler der Klassischen Moderne; seine surrealistischen Arbeiten nehmen im Spätwerk informelle Tendenzen auf. In der Ausstellung sind diese starkfarbigen Bildfindungen mit mehreren charakteristischen Lithographien vertreten, die die Formenwelt Mirós beispielhaft auffächern.

Mit Eduardo Chillida (San Sebastian 1924 – 2002 San Sebastian) und Antoni Tàpies (Barcelona 1923 – lebt in Barcelona) begegnen die wohl bedeutendsten spanischen Künstler der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sowohl der Plastiker Chillida wie auch der Maler Tàpies sind in entscheidender Weise auch als Druckgraphiker hervorgetreten. Das graphische Schaffen beider Künstler ist in der Graphischen Sammlung des Museums Pfalzgalerie mit wesentlichen Werkbeispielen belegt. Die Ausstellung zeigt hier eine beeindruckende Suite großartiger Blätter, die zum großen Teil aus Mitteln der Marianne und Heinrich Lenhardt-Stiftung erworben werden konnten.

 


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