Graphisches Kabinet

 31. Juli – 19. September 2010

„Expressiv und leidenschaftlich. Graphik der Künstlergemeinschaft Brücke“

Pressefotos >>

Ausstellungseröffnung: Freitag, 30. Juli, 19 Uhr

Karl Schmidt-Rottluff
Drei am Tisch, 1914
Holzschnitt
© VG Bild-Kunst Bonn 2010

Durch eine umfassende Sanierung stehen seit September 2009 im ersten Obergeschoss des Museums Pfalzgalerie neue Räume für Wechselausstellungen mit graphischer Kunst zur Verfügung. Nach dem großen Erfolg der Eröffnungsausstellungen mit Graphik von Pablo Picasso und Francisco de Goya zeigt das Graphische Kabinett nun als weiteres Highlight vom 31. Juli bis 19. September 2010 hochklassige Graphik der Vertreter der Künstlergemeinschaft „Brücke“.

Die 1905 in Dresden gegründete Künstlergemeinschaft „Brücke“ hat mit ihren Holzschnitten, Radierungen und Lithographien den bedeutendsten Beitrag zur Graphik des deutschen Expressionismus geleistet. Von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluf, Otto Mueller und Emil Nolde besitzt die Graphische Sammlung des Museums Pfalzgalerie insgesamt 115 Blatt, darunter teilweise einzigartige und besonders wertvolle Zustands- und Vorzugsdrucke. Mit diesem beeindruckenden Sammlungsbestand können alle Facetten der graphischen Kunst der „Brücke“ überzeugend und eindringlich belegt werden.

Ernst Ludwig Kirchner, auch der programmatische Kopf der Gruppe, ist der bedeutendste Künstler der „Brücke“. Seine hohe künstlerische Qualität setzt Kirchners Graphik an die Spitze der expressionistischen Bewegung. Von ihm werden unter anderem wesentliche Holzschnitte wie die „Fehmarnmädchen“ von 1913 oder die „Stafelalp bei Mondschein“ von 1918 zu sehen sein. Ob es fast klotzige Holzschnitte sind, das feine Liniengeflecht der Portraits, zuckend-wilde Aufrisse der Kaltnadelarbeiten, immer ist bei Kirchner eine eigene Kultiviertheit der Kraft zu spüren.

Bei den Arbeiten Erich Heckels ist der charakteristische Grundzug lyrisch. Trotz aller Großflächigkeit des Formalen ist seine Graphik ruhig, in sich ruhend, niemals nervös überzeichnet. Heckels Menschenbild ist das des sensiblen, geistigen Menschen, dessen blick oft Unsagbares trägt. Karl Schmidt-Rottluff wird der kompromisslose Vollstrecker des expressionistischen Holzschnitts, seine Blätter bedeuten die Konsequenz des reinen Flächenstils. Die Strenge seines Clair-Obscur ist monumental, er verzichtet rückhaltlos auf jede malerische Wirkung. Die Graphik Max Pechsteins und Otto Muellers ist wohl die am leichtesten Zugängliche des „Brücke“-Kreises. Beide sind eher malerisch bestimmt. Während bei Pechstein der Einfluß der exotischen Kunst besonders deutlich spürbar ist, atmen Muellers „Badende“ den Geist der Idylle, die immer wieder aufs Neue variiert wird. Emil Nolde, nur kurze Zeit der „Brücke“ verbunden, muß als einer der großen Einzelgänger des Expressionismus gesehen werden. Bemerkenswert in seiner Graphik ist der vielseitige Gebrauch der Aquatinta, ein großartiger Beitrag zur Radierung des Expressionismus.

Literatur: Bestandskataloge der Graphischen Sammlung Band II, Graphik des deutschen Expressionismus. Bearbeitet von Heinz Höfchen, Kaiserslautern 1986. 210 Seiten, 122 Abbildungen, Preis 14,30 Euro. ISBN 3-89422-009-0


zurück

home