Das Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern setzt mit den Werken des Berliner Bildhauers Peter Welz die fünfteilige Ausstellungsserie „Reality Looks Back On Me“ fort. Peter Welz Interesse gilt der Figur im Raum. In seinen großformatigen Videoskulpturen arbeitet er häufig mit dem Tänzer und Choreographen William Forsythe zusammen. Wie den Tänzer interessieren auch den Bildhauer der Körper und seine Bewegungen. Im bewegten Medium Video können Formen immer wieder aufgelöst werden. Dadurch gelingt es, die Flüchtigkeit des Spannungsverhältnisses zwischen Körper und Raum sichtbar werden zu lassen.
Dank der Unterstützung des Pfalztheaters freuen wir uns auf ein ungewöhnliches Experiment, das ein Set für eine Videoskulptur mit Hilfe der realen Drehbühne des Theaters inszeniert. Die Ausstellung besteht aus zwei miteinander korrespondierenden Teilen und findet sowohl im Museum als auch – an einem Abend – im Theater statt.
Im Museum Pfalzgalerie zeigt Peter Welz eine freistehende Videoskulptur. Zwei 3 x 4 Meter große Leinwände stehen aneinandergelehnt. Auf ihnen erscheint lebensgroß der Tänzer Christopher Roman (Forsythe Company), der sich auf dem Boden liegend gegen dessen Drehbewegung stemmt. Das einfache Bild und die aneinander lehnenden Leinwände lassen die Figur im Raum so erscheinen, als handele es sich um eine Collage. Eine zerrissene „Wirklichkeit“ entsteht, die auch den Raum des Betrachters zu zerreißen scheint. Unsere Orientierung im Raum wird fraglich. Die Grenze zwischen gesehenem Bildraum und unserem Raum verschwimmt. Entzieht uns das den Boden unter den Füßen? Unsere Wahrnehmung muss sich bemühen, beide Räume neu zusammenzusetzen.
Am 15. März um 20:00 Uhr endet die Ausstellung mit dem Experiment „Figure inscribing a Circle“ auf der Drehbühne des Pfalztheaters. Das Experiment besteht aus einer großen Videoleinwand, auf der ein Tänzer sich gegen die Drehbewegung des Bodens stemmt. Diese Videoleinwand steht auf einer Drehbühne, die sich in die entgegen gesetzte Richtung dreht und diese steht auf der Theaterdrehbühne, die sich wiederum gegenläufig bewegt. Was sieht der Betrachter von der sich drehenden Figur? Bleibt es bei einer „zerrissenen Wirklichkeitswahrnehmung“? Stellt sich eine „Stillstellung“ aller Bewegungen ein? Welche Rolle spielt unser Zeitgefühl hierbei? Die Frage, die Welz hiermit stellt, ob die zeitliche Komponente des tatsächlichen Dreheffekts auf der Theaterbühne eine andere Raumwahrnehmung, ein anderes Körperbewusstsein im Raum ermöglicht, erhält noch eine weitere Komponente. Ausstellungsraum und Bühnenraum sind kulturelle Orte, die nach unterschiedlichen Kriterien funktionieren: Im Ausstellungsraum ist der Betrachter frei und kann umhergehen, der Theaterraum stellt ihn dagegen in aller Regel „still“, indem er sitzend einem Geschehen auf der Bühne folgt. Auf Seiten der Künstler arbeitet der Bildende Künstler mit dem Raum, in dem er Ausstellungsfläche zur Verfügung hat, der Schauspieler dagegen entwickelt ein Geschehen in der Zeit. Lassen sich beide – Ausstellungsraum und Bühnenraum – koppeln? Ergibt sich aus dem Rahmen, den die Bühne bildet, eine andere Betrachtungssituation?