Jahresprogramm 2010

 

 
 
 
 
 

Katharina Moessinger

 

Peter Welz

 

Robert Barta

 

Francis Zeischegg

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
   
 
 
   
   

 

Liebe Besucherinnen und Besucher,

man möchte meinen, Odradek hätte Einzug gehalten im Museum Pfalzgalerie! Als kleine sternartige Zwirnspule mit aneinander geknoteten, verfilzten Zwirnstücken von verschiedenster Art und Farbe, die durch Flure und Gänge hüpft und mit nachschleifendem Zwirnsfaden die Treppe hinunterkollert, lässt sich über diesen Odradek nichts Näheres sagen, als dass er außerordentlich beweglich und nicht zu fangen ist. Kafka hatte einst bestätigt, das Ganze erscheine zwar sinnlos, aber in seiner Art abgeschlossen.

Dass das Ganze sinnlos, aber in seiner Art abgeschlossen erscheine, ist seit der Moderne häufig ein Kulminationspunkt künstlerischer Überlegungen. Ungewohntes, nicht Gesichertes und neue Blick- weisen können so transportiert werden, auch wenn es Ausstellungsbesucher bisweilen zum Kopfschütteln veranlasst.

Mit der Eröffnung der neuen Räume und dem enormen Erfolg, zu dem Ihre Neugier auf Picasso uns im vergangenen Jahr verholfen hat, wollen wir 2010 dem Motto „Museum für alle!“ mit über 20 Ausstellungen weitere Taten und vielleicht auch Abenteuer im Odradekschen Sinne folgen lassen. Experimentelles wird Sie in den neu hinzugewonnenen „Laborräumen“ erwarten.

Gleich zu Beginn des Jahres hält mit der über 90jährigen Carmen Herrera eine „grande dame“ der Konkreten Kunst Einzug und unter dem Titel „nos amis“ stellen wir herausragende amerikanische Positionen der 1960er und 1970er Jahre aus französischem Privatbesitz vor. Mit ihnen werden in der Malerei erstmals Fragen nach der Eigenständigkeit der Farbe gestellt, ihrer Möglichkeit gleichermaßen Raum und Bewegung zu kreieren, sowie die Leere und damit das Nichtfaßbare erfahrbar zu machen.

Die fünfteilige Ausstellungsserie „Reality looks back on me“ bringt Sie dem Wesen eines Odradek nahe: Ehe Sie es sich versehen, finden Sie sich in einen Handlungszusammenhang verstrickt, der Sie ein winziges Stück Welt aus einer anderen Perspektive wahrnehmen lässt.

Einen Höhepunkt bilden im Mai „9 + 1, Installationen“ des bedeutenden französischen Malers, Graphikers und Installationskünstlers François Morellet. Überlagerungen und Zufälle spielen eine wichtige Rolle in seinen Werken. Seine Arbeitsweise kennzeichnen nicht nur komplexe Linien- und Formsysteme, sondern vor allem die Verwendung von Licht, das er in Form von farbigen Neonröhren als Verselbständigung der Linie einzusetzen versteht.

Aber auch die klassische Moderne ist vertreten: Expressiv und leidenschaftlich – mit der Graphik der Künstlergemeinschaft „Brücke“ und mit dem Pfälzer Maler und Graphiker Hans Purrmann. Im Oktober hat die Angewandte Kunst mit „Wenn Eisen errötet – zur Restaurierung kunsthandwerklicher Eisenstücke“ einen Auftritt, bevor sich das Jahr mit dem kanadischen Bildhauer und Graphiker David Rabinowitch dem Ende zuneigt. Doch halt: In den „Geheimnisvollen Zwischenwelten“ – zeitgenössischen Positionen zur Mystik und zum Mythischen – scheint auch ein Odradek angekommen zu sein. Lassen auch Sie sich ein auf das Staunen, das Geheimnis und die Lust an der ungewohnten Perspektive.

Wir freuen uns auf Sie!

Das Team des Museums Pfalzgalerie


 

„nos amis“

  20. Februar 2010 – Ende 2010

Abstrakte amerikanische Kunst aus französischem Privatbesitz

Eröffnung: Freitag, 19. Februar, 19 Uhr

Frank Stella
Untitled (Play School Hose), 1984
Relief aus Metallteilen, z.T. bemalt, Gartenschlauch
Foto: Eric Jobs, Bochum
© VG Bild-Kunst Bonn, 2010

In neue Dimensionen der Malerei und ihrer Möglichkeiten stoßen wir mit der Präsentation von zehn, zum Teil außerordentlich großformatigen Werken amerikanischer Kunst vor. Sie werden uns im Bereich der Sammlungspräsentation von Februar an für den Rest des Jahres komplett, später in unterschiedlichen Verbindungen mit anderen Arbeiten aus unserem Besitz begleiten. Durch ihre Größe, farbliche Intensität und körperliche Präsenz sprechen die weitgehend in den 1960er und 1970er Jahren entstandenen Bilder uns unmittelbar und emotional an.

Mary Heilmann
Too Long (at the Fair)
1993, Öl auf Leinwand
Foto: Peter Salewski, Sprockhövel
© Mary Heilmann, New York

Mary Heilmann, Charles Hinman, Ron Gorchov, Sam Francis, Leon Polk Smith, Theodoros Stamos, Frank Stella und Harriet Korman eröffnen einen Dialog, in den ihre eigenen Erfahrungen und Erinnerungen gleichermaßen einfließen wie die der Betrachter. Ron Gorchov zum Beispiel überführt den tradierten Bildbegriff in magisch anmutende Objekte, die in afrikanischen oder indianischen Traditionen ihren Ursprung zu haben scheinen. Charles Hinman setzt die uns aus Werken von Josef Albers bekannte Scheinerfahrung um: Er verräumlicht sie und überführt sie so in eine unmittelbare und nicht nur gedachte Realität. Harriet Korman lädt uns durch bildimmanente Prozesse zur Beobachtung des eigenen Sehens ein und Sam Francis, der sich in Japan intensiv mit Zen-Buddhismus beschäftigt hat, gibt der Leere als Voraussetzung für Konzentration und Versenkung einen Rahmen. Diese und alle anderen Werke repräsentieren nichts anderes als sich selbst und führen dennoch zu intensiven Seherfahrungen und Wahrnehmungen.


 

„Noble Gäste“

  bis Ende 2010

Gemälde von Max Slevogt aus der Kunsthalle Bremen zu Gast im Museum Pfalzgalerie

Stilleben mit Erdbeeren
Max Slevogt
Erdbeeren
1903, Öl auf Leinwand
Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen

Die Kunsthalle Bremen stellt 21 deutschen Museen Meisterwerke aus ihrem Besitz für die Dauer von zwei Jahren leihweise zur Verfügung. Das Museum Pfalzgalerie gehört zu diesem ausgewählten Kreis. Neun herausragende Gemälde von Max Slevogt (1868 Landshut – 1932 Neukastel/Pfalz) bereichern die Kaiserslauterer Präsentation temporär. Sie ermöglichen es, innerhalb der Werkgruppen der Tierporträts, Stilleben, Landschaften, Bildnisse und Figurenbilder, schlüssige Bezüge herzustellen und einen erweiterten Einblick in das umfangreiche OEuvre des Malers zu nehmen.

Das 1903 entstandene Bremer Gemälde „Erdbeeren” beeindruckt beispielsweise durch die konzentrierte Sparsamkeit der Darstellung. Die roten Früchte dominieren in einer Glasschale die Komposition. Sie werden durch ein Desserttellerchen mit Sahne ergänzt. Ein kleiner Silberlöffel als einziges Accessoire lädt ein, sich zu bedienen. In Kontrast dazu steht das Kaiserslauterer Gemälde „Großes Obststilleben” (1925), das durch Fülle und Detailreichtum seine Wirkung entfaltet. Max Slevogt, der mit Max Liebermann und Lovis Corinth zu den Hauptvertretern des deutschen Impressionismus gehört, ist mit 20 Gemälden im Bestand des Museums Pfalzgalerie vertreten. Sie entstanden in den Jahren 1897 bis 1928 und stellen einen repräsentativen Querschnitt aller bedeutenden Werkphasen Slevogts dar. Vertraute Sichtweisen können erweitert und Wohlbekanntes in ungewohnten Zusammenhängen neu entdeckt werden. Die Zusammenführung bedeutender Gemälde aus zwei hochkarätigen Sammlungen verspricht beim Besuch des Museums Pfalzgalerie daher ein besonderes Erlebnis.

Es erscheint ein Katalog mit dem Titel „Noble Gäste. Meisterwerke der Kunsthalle Bremen in 21 deutschen Museen“, hg. von Wulf Herzogenrath und Ingmar Lähnemann.


 

Goya und Tapas

  bis 17. Januar 2010

Der iberische Beitrag zur modernen Graphik

Radierung
Francisco de Goya
Que sacrificio (Welch ein Opfer!) aus der Folge „Los Caprichos“, 1794/98
Radierung
Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern

Signifikante Blätter von Francisco de Goya, Joan Miró, Edouardo Chillida, Antoni Tàpies und anderen bedeutenden spanischen Künstlern aus eigenem Bestand geben einen konzentrierten Einblick in die iberische Druckgraphik.

Radierung
Joan Miró
Solitude, 1961
Lithographie
Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern © VG Bild-Kunst, Bonn 2009

Ausgehend von Werkbeispielen aus Goyas epochalen Zyklen „Desastres de la Guerra“ und „Caprichos“ werden dieser großen druckgraphischen Tradition Meisterwerke spanischer Druckgraphik der Gegenwart gegenüber gestellt.


 

Reality looks back on me (1/5)

Fünfteiliges Ausstellungsprojekt zu Positionen junger Skulptur heute

bis 24. Januar 2010

Katharina Moessinger

Blick ins Atelier
Katharina Moessinger
Handfeger, 2009
Handfeger, Rosshaar
Foto: Katharina Moessinger

Mit der Berliner Künstlerin Katharina Moessinger beginnt die fünfteilige Ausstellungsserie REALITY LOOKS BACK ON ME. Der nicht ohne leise Ironie gewählte Titel, der übersetzt etwa heißt „Die Realität schaut auf mich zurück“ beschreibt zunächst einen scheinbaren Allgemeinplatz: „Die“ Realität wird stets von uns gemacht und ändert sich je nach eingenommener Perspektive, von der aus wir die Dinge betrachten. Die Künstler und Künstlerinnen dieses Projekts eint, dass sie uns, die Betrachter, in ein Dilemma bringen: Unverhofft sehen wir uns in einen Handlungszusammenhang gesetzt und machen so unsere eigenen Erfahrun-gen. Denn scheinbar ganz normale Alltagsdinge und -situationen werden von ihnen so verändert, dass Ungewohntes entsteht. Katharina Moessinger thematisiert unseren Umgang mit Natur und Tieren. Ihre Serie Kuscheltiere bietet uns auf den ersten Blick nette, wenn auch überlebensgroße „Tiere zum Liebhaben“. Doch schon der zweite Blick lässt uns die irritierende Wahrnehmung machen, dass ihre Tiere aus echten Tierfellen und -häuten handwerklich aufwendig gefertigt sind, ohne dass dabei Tierpräparate entstehen.


 

Reality looks back on me (2/5)

Fünfteiliges Ausstellungsprojekt zu Positionen junger Skulptur heute

 30. Januar – 14. März

Peter Welz

Blick ins Atelier
Peter Welz
Study for Rotating Figure (Detail), 2007
Fotografie (Detail)
Foto: Peter Welz

Peter Welz´ zentrales Anliegen ist der Raum – der Raum, den ein Körper in Bewegung benötigt und den er sich kreiert. Welz versteht sich, obwohl er Video nutzt, als Bildhauer, der in der Figur seinen Ausgangspunkt findet. In großformatigen Videoinstallationen arbeitet er häufig mit dem Tänzer und Choreographen William Forsythe, dessen Bewegungen er so einfängt, dass eine „Schwelle“ spürbar wird zwischen dem virtuellen Raum des Videobildes und dem realen, den Betrachter umgebenden Raum.


 

Reality looks back on me (3/5)

Fünfteiliges Ausstellungsprojekt zu Positionen junger Skulptur heute

 24. März – 9. Mai

Robert Barta

 
Robert Barta
Second Class
2008, Installation
Foto: Michel de Broin

Robert Barta stellt Objekte aus, die jeder aus dem Alltag kennt. Doch wenn ein Betrachter sich seinen Werken nähert, kann es sein, dass er damit unverhofft eine Reaktion bei den Objekten auslöst. Bei Bartas Arbeiten stehen also wir, die Betrachter, im Mittelpunkt seiner künstlerischen Strategie. Er stellt auf diese Weise Fragen über das Ausstellungswesen und das Agieren im Kunstkontext.


 

Reality looks back on me (4/5)

Fünfteiliges Ausstellungsprojekt zu Positionen junger Skulptur heute

 19. Mai – 20. Juni

Francis Zeischegg

Francis Zeischegg
Point of View, 2007
Fotografie
Foto: Francis Zeischegg

Francis Zeischegg beschäftigt die Frage, wie wir soziale Räume wahrnehmen. Raum wird hierbei als dynamisches Ergebnis von gesellschaftlicher und individueller Praxis begriffen. Wie finden wir unseren Standpunkt bei einer gegebenen Sachlage? Ein Aspekt ihrer Arbeiten sind so genannte Beobachtungsarchitekturen: Jägerhochsitze oder ein Holzstapel zur Beobachtung von Wilderern, die wir alle aus der Wald- und Forstwirtschaft kennen. Wie nehmen wir sie wahr, wenn sie uns nicht im Wald, sondern im städtischen Kontext begegnen?


 

Carmen Herrera

23. Januar – 2. Mai

„Malerei und Zeichnung 1948 – 2007“

Eröffnung: Freitag, 22. Januar, 19 Uhr

Malerei graublau
Carmen Herrera
Red with White Triangle
1961, Acryl auf Leinwand,
Privatsammlung New York
© Carmen Herrera, Foto: John Berens

Unsere Ausstellung ist die erste Retrospektive des Werkes der amerikanischen Künstlerin Carmen Herrera in Europa, veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Ikon Gallery in Birmingham, England. Die Künstlerin, 1915 in Havanna, Kuba, geboren, lebt seit 1954 in New York. Ein längerer Aufenthalt in Paris von 1948 bis 1953 brachte die stilistische Entwicklung ihres Schaffens von der gestischen Abstraktion der französischen Nachkriegskunst zu stringenter formaler Haltung. Seitdem hat Carmen Herrera über ein halbes Jahrhundert ein herausragendes konkretes Werk geschaffen, das konsequent der ungegenständlichen Kunst gewidmet ist. Sie konzentriert sich seit den frühen 1950er Jahren auf die reine Geometrie – Linie, Farbe, Oberfläche sind die formalen Elemente, deren Autonomie eine eigenständige ästhetische Wirklichkeit begründet.

Skulpturen
Carmen Herrera
Venetian Red, White and Black
1949, Acryl auf Leinwand,
Privatsammlung
© Carmen Herrera, Foto: John Berens

Das Projekt fügt sich in eine Reihe von Ausstellungen des Museums Pfalzgalerie, die amerikanischen Künstlern, hauptsächlich des Abstrakten Expressionismus, gewidmet waren. Das Werk Carmen Herreras öffnet den Blick auf die hierzulande wenig bekannten außereuropäischen Varianten konkret-konstruktiver Kunst, hier insbesondere auf den lateinamerikanischen Beitrag.


 

Rechteck, Kreis, Mäander

23. Januar – 2. Mai

Konkrete Graphik aus eigenem Bestand

Eröffnung: Freitag, 22. Januar, 19 Uhr

Gruppenaufnahme in blau-schwarzen Trikots
Karl Georg Pfahler
Rot, blau, braun, 1970
Farbsiebdruck
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern

Dieser Einblick in die Sammlungsbestände Konkreter Graphik ist als Hommage an Carmen Herrera und als Kommentar zur Retrospektive des Werkes der amerikanischen Künstlerin gedacht. Da Herreras Arbeiten auf Papier in einem Raum des Graphischen Kabinetts präsentiert werden, lag eine direkte Gegenüberstellung mit stilistisch verwandter Graphik nahe.

Konkrete Kunst verzichtet auf die Darstellung der sichtbaren Wirklichkeit, ist also kein Abstraktionsvorgang, sondern benützt die künstlerischen Mittel ohne Assoziationen auslösen zu wollen. Damit werden Linie, Fläche und Farbe autonom, das Formale ist ohne inhaltliche Implikation auf sich selbst geworfen. Grundsätzlich gilt: Farben und Formen sind Dinge, keine Zeichen. Infolgedessen bemüht sich Konkrete Kunst hauptsächlich um die Erforschung der Bedingungen künstlerischer Grundlagen wie Form, Farbe, Fläche und Raum. Mit Arbeiten der Amerikaner Sol LeWitt, Robert Mangold und Leon Polk Smith – einem engen Freund Carmen Herreras – wird der Focus auf die New Yorker Schule der Konkretion gerichtet. Daneben werden durch Werkbeispiele von Max Bill, Aurélie Nemours, Friedrich Vordemberge-Gildewart, Karl Georg Pfahler, Julije Knifer und Marcel Wyss heute schon klassische europäische Positionen der Bewegung aufgezeigt.


 

Zersplitterte Realität

30. Januar – 14. März

Fragmente künstlerische Weltsicht

Eröffnung: Freitag, 29. Januar, 19 Uhr

Nam June Paik,
Burning Hat, 1986
Foto: Gunther Balzer © Nam June Paik
A.R. Penck
Memorial for J. Beuys
1986
Foto: Gunther Balzer
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Dissonanz und Harmonie, Subjektivität und Kollektivität, Ruhe und Dynamik, Heterogenität und Homogenität: Die von Studenten der Universität Heidelberg erarbeitete Ausstellung zeigt Graphiken der späten 80er und frühen 90er Jahre. Vertreten sind unter anderem international bekannte Künstler wie Georg Baselitz, Andy Warhol, Keith Haring, Donald Judd, Nam June Paik und Rebecca Horn. Die gezeigten Werke variieren in Technik und Motiv, Thematik und künstlerischem Ansatz: Alle eint der Bildträger Papier. Sie sind Versatzstücke ihrer Zeit, führen den Betrachter in subjektive Welten und stellen Fragmente künstlerischer Diskurse vor. Themenkreise sind die Auseinandersetzung mit dem Selbst, mit mythischen Themen und Traumbildern, mit Erinnerung sowie Aspekten von Natur und Technik. Eine kleine Gruppe streng abstrakter Werke und ein Tondokument vertiefen den Blick auf die Werke wegweisender Protagonisten jener Jahre. Alle Grafiken befinden sich im Besitz des Museums und werden erstmals ausgestellt.


 

François Morellet

 19. Mai – 22. August

9 + 1, Installationen

Eröffnung: Dienstag, 18. Mai, 19 Uhr

Grafik
François Morellet, in seinem Atelier in Cholet Gesticulation no 1, no 2, no 3
2009, je 6 Neonröhren,
Foto: Archiv Morellet,
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

François Morellet, einer der bedeutenden französischen Maler, Graphiker, Objekt- und Installationskünstler der Gegenwart, steht der Minimal Art, der Op Art und der Geometrischen Abstraktion nahe. Unsere Ausstellung konzentriert sich auf installative Werke von den Anfängen bis heute des 1926 in Cholet (Maine-et-Loire) geborenen Künstlers. Sie bezieht herausragende Werke von seiner Hand aus dem Museumsbestand ein.

Grafik
François Morellet
Lamentable, 2006
8 Neonröhren
Museum Pfalzgalerie
Foto: Archiv Morellet
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Kennzeichnend für die Arbeitsweise Morellets ist die Verwendung von Licht und komplexen Linien- und Formsystemen. Er selbst fasst seine Arbeitsfelder in fünf Gruppen zusammen: Aneinanderreihung, Überlagerung, Zufall, Interferenz und Fragmentierung. In seinen Rauminstallationen mit beweglichen farbigen Neonröhrenelementen, die seit 1963 entstehen, und von 1980 an auch mit Argonröhren, verselbständigt sich die Linie als formales Gestaltungselement.

Ein ironisch-humorvoller Aspekt begleitet sein Werk und seine Selbstwahrnehmung als Künstler: „Ich hoffe, daß man mich schon längst nicht mehr ernst nimmt, ganz besonders, was die Grenzen der Geometrie betrifft.“ Und weiter: „Unter Humor verstehe ich in erster Linie eine auf sich selbst und die gelebten Situationen anzuwendende Ironie.“1

1 Auszüge aus einem unveröffentlichten Interview mit Muriel Lebert im April 1991, in: François Morellet, Künstler, Kritisches Lexikon der Gegenwartskunst, Ausgabe 20, München 1992, S. 14f.


 

Gier und Hunger

 24. März – 9. Mai

Neue Arbeiten von Tanja Fender

Eröffnung: Dienstag, 23. März, 19 Uhr

Skulptur
Tanja Fender
Gier und Hunger, 2009
Stahlgerüst, Silicon, 69 Monotypien/Papier
Museum Pfalzgalerie, Foto: Andreas Johann

Mit der raumgreifenden Installation „Gier und Hunger“ von Tanja Fender und weiteren neuen Arbeiten der Künstlerin präsentieren wir in unseren frisch eingerichteten Laborräumen eine junge zeitgenössische Position, die die Mensch-Tier-Beziehung als ein aktuelles Thema der Gegenwartskunst reflektiert. Zwei überdimensionierte, sich einander aufrecht gegenüber stehende Hasen zeigen menschliche Züge. Mit Messer und Gabel „bewaffnet“ scheinen die beiden Protagonisten in Tiergestalt jeden Moment aufeinander losgehen zu wollen – oder halten sie während eines Kräfte messenden Kampfes gerade inne?

Tanja Fender beschäftigt sich intensiv mit der Ambivalenz von Verhaltensweisen. Ängsten, Sehnsüchten, Wünschen, Schmerz, Verzweiflung und Einsamkeit eine Form zu geben, ist das Anliegen aller ihrer Arbeiten. „Ich zeige Menschen, die in ihrer großen Notlage sich nur mehr auf ihre Instinkte verlassen können“, formuliert sie ihre Intention. Sie verwendet das Material Silicon. Es ermöglicht ihr ein spontanes Arbeiten und begeistert sie aufgrund seiner hohen Plastizität und der variablen optischen Eigenschaften seiner Oberfläche. Die Monotypien als Teil der Installation erzählen ebenfalls von Zwitterwesen und ihren extremen Gefühlen: Liebe, Aggressivität, Gewalt werden thematisiert. Blätter ohne Motive bezeichnet Tanja Fender als „Atempausen“. 1973 in Winogradar/Kirgisien geboren, absolvierte die Plastikerin nach ihrer Ausbildung zur Glasmalerin in München an der dortigen Akademie der Bildenden Künste von 2002 bis 2008 ihr Studium in der Klasse für Keramik und Glas bei Professor Prangenberg.


 

Pfalzpreis für Bildende Kunst 2010

 5. Sept. – 17. Oktober

Graphik/Photographie/Video/Neue Medien

Eröffnung: Sonntag, 5. September, 11 Uhr

Anton Kokl
Interferenzaquarell, Montcelin 2006
Schwarze und weiße Tusche, Interferenzpigmente auf Bütten
(Pfalzpreisträger für Graphik 2004)
Foto: Künstler

Alle zwei Jahre schreibt der Bezirksverband Pfalz den Pfalzpreis für Bildende Kunst aus, der jeweils abwechselnd in den Sparten Malerei, Plastik sowie Graphik/Fotografie/Video/Neue Medien vergeben wird. Ziel ist es, dem kulturellen Leben Impulse zu verleihen, die kulturelle Entwicklung zu fördern und durch Leistungsanerkennung Künstlerinnen und Künstler in ihrem Schaffen zu unterstützen. Technische und inhaltliche Qualität, Aktualität, Kreativität und Innovation sind dabei ausschlaggebende Kriterien. Der Pfalzpreis wird von 2010 an in Form eines Hauptpreises und eines Nachwuchspreises vergeben, wobei der Nachwuchspreis verliehen wird, um künstlerische Begabungen zu unterstützen und Bewerber bis 30 Jahre zu motivieren. Es soll nach den Richtlinien der Preisvergabe entweder ein persönlicher Bezug der Teilnehmer/innen zur Pfalz bestehen oder ein sachlicher Zusammenhang aus der Arbeit zur Pfalz hervorgehen. Wir freuen uns auf eine rege Teilnahme und auf eine fassettenreiche Ausstellung, die die Bandbreite aktueller Positionen zeigt.


 

Der Pfälzer Maler und Graphiker Hans Purrmann

 29. Mai – 19. September

„der Natur entrücke ich niemals“

Eröffnung: Freitag, 28. Mai, 19 Uhr

Hans Purrmann,
Bodenseelandschaft mit badenden Jungen, 1922,
Öl/Leinwand,
Museum Pfalzgalerie, Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern © VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Hans Purrmann zählt zu den bedeutenden deutschen Malerpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geboren 1880 in Speyer, studierte er zunächst an der Münchner Akademie, bevor er Mitglied der Berliner Sezession wurde. Von 1905 bis 1914 hielt sich Purrmann in Paris auf. Er verkehrte dort im berühmten Café du Dôme, dem Treffpunkt deutscher Künstler, wurde Schüler und Freund von Henri Matisse sowie Mitbegründer der Pariser deutschen Matisse-Schule. Von 1916 an lebte er in Berlin und in Langenargen am Bodensee, 1935-43 in Florenz. 1943 ließ er sich in Montagnola am Luganer See nieder und blieb dort bis zu seinem Lebensende. Landschaften, Stilleben, Porträts und Aktdarstellungen aus dem Museumsbestand geben einen 50 Jahre umfassenden Einblick in das malerische und graphische Werk des Pfälzer Künstlers. Zeit seines Lebens blieb die Naturbeobachtung Ausgangspunkt seines Schaffens. In Verbindung mit der Natur, aber doch unabhängig von ihr, entstand ein Farblichtraum auf der Bildfläche, der die Wirklichkeit in eine poetische Dimension verwandelt. Malerei bedeutete für Purrmann die Verdichtung seiner Gefühle, die er unmittelbar in Farbe umsetzte. Kennzeichnend für seine Malweise sind ein am Fauvismus geschulter leuchtender Kolorismus und eine dekorative, ornamental verstandene Note, die er dem deutschen Spätimpressionismus verlieh.


 

La joie de vivre

 29. Mai – 18. Juli

Die Freude am Leben

Eröffnung: Freitag, 28. Mai, 19 Uhr

Hans Purrmann
Gestalten am Strand,
um 1920/30, Aquarell über Bleistift
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern

In den wesentlichen Kunstströmungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts – Fauvismus und Expressionismus – spielt das Ideal des Lebens im Einklang mit der Natur eine bedeutende Rolle. Es geht um die harmonische Verschmelzung von Kunst, Natur, Lebensfreude, um den Glauben an eine bessere, glücklichere Welt, meist um die Vision einer arkadischen Natur. Die Graphische Sammlung bewahrt zu diesem Motivband großartige Beispiele etwa von Otto Mueller, Max Pechstein, Erich Heckel, Hans Purrmann oder Pablo Picasso, deren Arbeiten oft für die Utopie menschlicher Erfüllung in einem paganen oder auch sinnenfrohen Ideal stehen.


 

Graphik der Künstlergemeinschaft „Brücke“

 31. Juli – 19. September

Expressiv und leidenschaftlich

Eröffnung: Freitag, 30. Juli, 19 Uhr

Ernst Ludwig Kirchner
Fehmarnmädchen
1913, Holzschnitt
© Ingeborg & Wolfgang Henze-Ketterer, Wichtrach/Bern
Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern

Die 1905 in Dresden gegründete Künstlergemeinschaft „Brücke“ hat mit ihren Holzschnitten, Radierungen und Lithographien den bedeutendsten Beitrag zur Graphik des deutschen Expressionismus geleistet. Von Ernst Ludwig Kirchner, Max Pechstein, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Otto Mueller und Emil Nolde besitzt die Graphische Sammlung insgesamt 115 Blatt, darunter teilweise einzigartige und besonders wertvolle Zustands- und Vorzugsdrucke. Mit diesem beeindruckenden Sammlungsbestand können alle Fassetten der graphischen Kunst der „Brücke“ überzeugend und eindringlich belegt werden. Ernst Ludwig Kirchner, auch der programmatische Kopf der Gruppe, ist der bedeutendste Künstler der „Brücke“. Von ihm werden unter anderem wesentliche Holzschnitte wie die „Fehmarnmädchen“ von 1913 oder die „Stafelalp bei Mondschein“ von 1918 zu sehen sein.


 

Leo Breuer

 5. September – 24. Oktober

Zeichnungen aus dem Internierungslager Gurs
und geometrisch-konstruktive Werke nach 1945

Eröffnung: Sonntag, 5. September, 11 Uhr

Leo Breuer
Camp de Gurs
1941, Mischtechnik
Foto: Archiv J. Breuer
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010

Zum Gedenken des 70. Jahrestages der Deportation deutscher Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich finden in mehreren Einrichtungen des Bezirksverbands Pfalz zahlreiche Veranstaltungen statt. Das Museum Pfalzgalerie zeigt Werke von Leo Breuer (1893 Bonn – 1975 Bonn), der, wie auch andere Künstler, in Gurs interniert war und sich nach 1945 zu einem bedeutenden Vertreter des geometrisch-konstruktiven Kunststils entwickelte. Die wenigen aus den Jahren 1940/41 erhaltenen Werke, figürliche Aquarelle und Gouachen, werden erstmals in einer Museumsausstellung präsentiert. Sie dokumentieren in eindrucksvoller Weise den Alltag des Lagerlebens. Die in Graubraun und Ockertönen angelegten Blätter aus Gurs bezeichnete der Künstler selbst vielsagend als „Grauenbilder“, in deren Mittelpunkt der von Hoffnungslosigkeit gezeichnete Mensch steht.

1946 trat Breuer in Paris der Künstlergruppe „Réalités Nouvelles“ bei. Geometrische Reihungen, Vibrationsbilder und kinetische Reliefs, die fortan entstanden, zeichnen sich durch eine konsequente Reduktion der Form und eine rhythmische Anordnung der Farbe aus. Das Sichtbarmachen einer „virtuellen Kinetik“, d. h. einer „möglichen Bewegung“ im Zusammenspiel von Körper und Fläche, wird zum Hauptanliegen der künstlerischen Aussage. Ein charakteristisches Beispiel dafür ist unter anderem das „Relief cinétique virtuel, jaune et blanc“ von 1968, Acryl auf Holz, aus museumseigenem Bestand.


 

David Rabinowitch

 2. Oktober – 28. November

The Piégros Editions

Eröffnung: Freitag, 1. Oktober, 19 Uhr

David Rabinowitch
Ohne Titel, 2009
Monotypie und Kaltnadel
© VG Bild-Kunst, Bonn 2010.
Foto: Matthew Tyson

Der in New York lebende kanadische Plastiker David Rabinowitch arbeitet seit einigen Jahren eng mit dem englischen Meisterdrucker Matthew Tyson zusammen. In intensiver Abstimmung druckt Tyson die Holzschnitte, Radierungen und Monotypien des Künstlers in seiner Werkstatt im südfranzösischen Piégros la Clastre. Neben den Arbeiten einer ganzen Reihe anderer bedeutender Künstler geben Tyson und seine Frau Isabella Oulton in ihrer Graphikedition Imprints auch die druckgraphischen Werke Rabinowitchs heraus.

David Rabinowitch beim Bearbeiten einer Kupferplatte. Foto: Isabella Oulton

Aus Mitteln der Marianne und Heinrich Lenhardt-Stiftung konnten für die Graphische Sammlung des Museums Pfalzgalerie bereits mehrere wesentliche Graphikfolgen David Rabinowitchs erworben werden. Die Ausstellung „The Piégros Editions“ stellt daneben besonders das Schaffen des Künstlers im Bereich der Monotypie in den Focus der Aufmerksamkeit.


 

Wenn Eisen errötet

 30. Oktober 2010 – 30. Januar 2011

Zur Restaurierung kunsthandwerklicher Eisenstücke

Eröffnung: Freitag, 29. Oktober, 19 Uhr

Großes Oberlichtgitter mit Trophäen (Detail)
um 1880, Eisen
Foto: Detlef Bach

Wenn Eisen „errötet“, dann ist in der Regel Handlungsbedarf angesagt. Beim Menschen ist das Erröten ein Zeichen für gefährliche, peinliche oder unangenehme Ereignisse. Selbstverständlich sind die Ursachen für die Reaktionen bei Mensch und Eisen ganz unterschiedlich. Doch ist aus konservatorischer Sicht das „Erröten“ des Eisens ein höchst gefährlicher Zustand. Wenn kunsthandwerkliche Stücke erröten, dann rosten sie.

So genannte erodierende Oberflächen lassen den Zauber filigran gearbeiteter Schlösser oder aufwendig geschmiedeter Oberlichtgitter nicht nur verblassen, sie gefährden sogar auf Dauer deren Bestehen. Im Museum Pfalzgalerie wurden jüngst einige kunsthandwerkliche Stücke aus Eisen restauriert. An den zum Teil frappierenden Ergebnissen dieser Arbeit möchten wir Sie teilhaben lassen und zeigen daher neben den Endresultaten auch ihre Vorzustände. Damit werden eindrucksvolle Wandlungen anschaubar; eine Metamorphose vom zunächst unansehnlichen Gegenstand zum prachtvollen Werk einer Museumssammlung.

Und dann steigt uns die Röte ins Gesicht, diesmal vor Freude über den wieder gewonnenen Glanz.


 

Out of This World

 30. Oktober 2010 – 9. Januar 2011

Eröffnung: Freitag, 29. Oktober, 19 Uhr

Jorge Molder
Vasistas
2005, Videoinstallation,
Foto: Privat

Die Ausstellung versammelt Gemälde, Graphiken, Photographien, Video-Installationen und Filme, die um das Phänomen des Erhabenen kreisen; um das Erhabene als dem Menschen eigenes Bestreben, sich etwas Unfassbarem auszusetzen.

Gezeigt werden Arbeiten von Vija Celmins (USA/Lettland), James Turrell (USA), Peter Rösel und Thomas Ruff (Deutschland). Außerdem sind vertreten Videos und Filme von Jorge Molder (Portugal), Linda Quinlan (Irland), Ben Rivers (Großbritannien) sowie Gemälde des wichtigsten Vertreters des Modernismus in Neuseeland, Colin McCahon (1919 – 1987).

Anonymer Holzstich aus Camille Flammarion
L‘Atmosphere: Météorologie Populaire
Paris, 1888

Den Ausgangspunkt bilden Arbeiten, die sich mit Himmelsphänomenen beschäftigen: Thomas Ruffs und Peter Rösels Sternenbilder, Colin McCahons Kometentriptychen, Linda Quinlans humorvolle Versuchsanordnung zur Dokumentation einer Kome- tenpassage. Das Erhabene geht mit dem Profanen eine Mischung ein, es wird als technisch reproduzierbar vorgeführt wie in James Turrells Hologrammen, als menschenmachbare Fabrikation wie in Jorge Molders Inszenierung des Herabsteigens eines diesseitigen Engels oder als akribisch ausformulierte Fiktion wie in Vija Celmins Sternenbildern und Seestücken. Und schließlich rührt das Erhabene an das Phänomen des Glaubenwollens wie in Ben Rivers Film bergan steigender Pilger.

Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit Leonhard Emmerling, ST PAUL St Gallery, Auckland University of Technology, Neuseeland, gezeigt.
Idee: Stephen Bambury, Leonhard Emmerling


 

Winterbilder

 8. Dezember 2010 – 30. Januar 2011

Eisesgrau

Eröffnung: Dienstag, 7. Dezember, 19 Uhr

Albert Haueisen
Mann im Schnee
1897/98, Aquarell über Bleistift
Foto: Gunther Balzer, Kaiserslautern

Der Winter ist eine der vier Jahreszeiten der gemäßigten Zone der Erde. Wegen der nur wenig über den Horizont sich erhebenden Sonnenbahn ist die Einstrahlung gering, der Winter die kälteste Jahreszeit mit den kürzesten Tagen. Fast die gesamte Pflanzen- und ein Teil der Tierwelt verfällt in Starre ohne Lebensäußerungen.

Es kann nicht immer Sommer sein – das Museum Pfalzgalerie fällt trotzdem nicht in den Winterschlaf, sondern zeigt die künstlerische Seite von Kälte, Schnee und Eis! Gemälde und Graphik von Albert Haueisen, Alfred Kubin, Max Slevogt, Albert Weisgerber und anderen aus eigenem Bestand machen Lust auf eine dauerhafte Schneedecke.


 

Arvid Boecker, Leiko Ikemura, Luis Vidal
und andere zeitgenössische Positionen

 8. Dezember 2010 – 27. Februar 2011

Geheimnisvolle Zwischenwelten

Eröffnung: Dienstag, 7. Dezember, 19 Uhr

Luis Vidal
Garden offering
2005, Polyresin, Textil
Museum Pfalzgalerie
Foto: Andreas Kusch, Museum Pfalzgalerie

Mit herausragenden Werken aus dem Museumsbestand stellen wir geheimnisvolle Zwischenwelten in den Mittelpunkt der Wahrnehmung. Verschiedene Facetten emotionalen Erlebens, von kontemplativer Auseinandersetzung bis zu schockierender Betroffenheit, werden angesprochen.

Arvid Boeckers Ölgemälde sind „absolute“, „konkrete“ Malerei. Er experimentiert mit einer übergeordneten Wirklichkeit, indem er scheinbar unbegrenzte Bildräume schafft. Geordnete, sich überlagernde Farbstreifen werden, aus weiter Ferne von oben betrachtet, zu Feldern, zu Kulturlandschaften, zu Orten.

Werke der japanischen Künstlerin Leiko Ikemura thematisieren auf sensible Art und Weise Licht und Dunkelheit, Wachen und Träumen, Diesseits und Jenseits. Im Wissen um die eigene Flüchtigkeit des Seins scheinen ihre transparent wirkenden Wesen haltlos in einem kosmischen Raum zu schweben.

Der 1970 in Barcelona geborene Spanier Luis Vidal greift in seinen skulpturalen Werken Tabuthemen wie Kindesmisshandlung und -missbrauch auf, ohne dabei die nötige Sensibilität zu verlieren.


 

Monatliche Veranstaltungen

Publikumsberatung

Möchten Sie wissen, aus welcher Zeit „Omas Erbstück“ wirklich stammt oder ob es von einem Meister oder Hobbykünstler geschaffen wurde? Dann sollten Sie mit Ihren Kunstwerken zu unserer monatlichen Kunstberatung kommen. An jedem ersten Mittwoch im Monat begutachten unsere Kunsthistoriker Ihre Gemälde, Grafiken und Plastiken (ohne Wertangabe). Bitte bringen Sie höchstens 3 Kunstwerke pro Beratung mit. Der Obolus beträgt 2,- €.

Künstlerstammtisch

Jeden 3. Dienstag im Monat laden wir Künstler und alle Kunstinteressierten zu einem Gespräch ins Museum ein. Das offene Treffen dient der Diskussion und dem inhaltlichen Austausch. Bitte beachten Sie, dass der Künstlerstammtisch im Mai und Dezember pausiert. 

KUNST(früh)STÜCK. Kunst und Kulinarisches
Buffet
Kunst(früh)stücksbuffet

Die beliebte Reihe KUNST(früh)STÜCK wird in diesem Jahr fortgesetzt. Wir laden Sie an jedem letzten Sonntag im Monat, um 11 Uhr, ins Museum Pfalzgalerie ein. In der ständigen Sammlung oder in der aktuellen Sonderausstellung betrachten wir Kunstwerke mit zum Teil außergewöhnlichen Fragestellungen. Beiträge von Gästen verschiedener Berufssparten, wie zum Beispiel Musik, Literatur und Theater, bereichern die Interpretationen und erweitern die Wahrnehmung.

Das Buffet im Anschluss spricht nicht nur die Augen, sondern auch den Gaumen an. Es bietet die Möglichkeit, miteinander über Gesehenes und Gehörtes ins Gespräch zu kommen und lädt zum Genießen und Verweilen ein.

Eine Anmeldung ist erforderlich. Reservieren Sie sich bitte frühzeitig Ihren Platz. Erwachsene 10 €, Kinder bis 12 J. 5 €, Familien (2 Erw. mit Kindern bis 12 J.) 25 €. Alle Preise inkl. Eintritt.


 

Museumspädagogik

Die Veranstaltungen richten sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Spielerisch entdecken Kinder Kunstwerke im Museum Pfalzgalerie. Es wird gestaunt, geschaut, gelacht und erzählt. Nicht nur die Augen sind dabei beteiligt, auch die Ohren, die Nase und die Hände. Gemeinsam erfahren die jungen Museumsbesucher die Kunst mit allen Sinnen und bekommen Anregungen für ihr eigenes schöpferisches Tun. An die Werkbetrachtung schließt sich eine kreative Umsetzung des Erlebten an.


Offene Angebote für Kinder und Jugendliche

Angebote für Kindergärten und Schulen

Kooperationsprojekte

Leitung: Dr. Elisabeth Voigtländer


 

Kindermalschule

Weißt Du, dass die „Große Wenga“ kein Sternbild ist, sondern eine Plastik auf dem Museumsplatz – und deren Farbe exakt das Rot der Feuerwehr? Kannst Du Dir vorstellen, dass Künstler nicht nur Pinsel verwenden, sondern für die Herstellung eines Kunstwerkes auch Diamanten benutzen? Das sind nur zwei von ganz vielen spannenden Fragen, die wir in der Malschule stellen. Dabei überlegen wir nicht nur mit dem Kopf.

Etwas begreifen kann man auch mit Händen. Tasten, Fassen, Fühlen lösen ganz unterschiedliche Gefühle aus; von angenehm weich bis vielleicht auch eklig glitschig. Kann man ein solches Gefühl darstellen? Wir suchen nach Möglichkeiten mit Pinsel, Bleistift oder Hammer – was gerade am besten passt. Das ist nur ein „Stern“ in einem großen Sternenbild. Schließlich erfindet die Malschule schon seit mehr als 30 Jahren immer wieder neue „Sterne“.

Am besten Du kommst mal vorbei und probierst es selbst aus.
Wir freuen uns auf Dich!

Kurssystem
Vier Kurse jährlich für zwei Altersgruppen
Di: Kinder ab 8 Jahren,
Do: Kinder von 6 – 8 Jahren,
jeweils von 15.00 – 16.30 Uhr

Kursbeitrag: € 26,- (inkl. Arbeitsmaterial)
Kursleiterin: Trude E. Deubig, Tel./Fax: 0631.172 80
Voranmeldung für die Warteliste Tel.: 0631.3647-201, Fax: 0631.3647-202, Anmeldeformulare sind an der Kasse erhältlich


 

Kindergalerie

Meeresskulptur mit MAschendraht und Fundstücken

In der Kindergalerie stellen wir Werke von Kindern aus, die vor allem in der Malschule entstanden sind. Durch die vierteljährlich wechselnden Präsentationen erhalten Sie Einblick in die Arbeit der Museumspädagogik.


 

Die Freunde des Museums Pfalzgalerie e. V.

rote Metallskulptur vor Pfalzgalerie-Gebäude
Robert Schad während der feierlichen Übergabe von „Pnog“ am 22.08.2005 zum 125-jährigen Jubiläum des Museums Pfalzgalerie

Kunst ist gut, Kunst erleben ist besser, besonders im Kreis von Freunden der Kunst. Die finden Sie bei den Freunden des Museums Pfalzgalerie, einem gemeinnützigen Verein, der im Jahr 1981 gegründet wurde und das Museum sowie seine Sammlung auf unterschiedliche Art und Weise fördert. Zuletzt schenkte er dem Museum die Skulptur „Pnog“ von Robert Schad.

Robert Schad
Pnog
2002, Vierkantstahl
Museum Pfalzgalerie
Foto: Museum Pfalzgalerie

Er bietet aber auch seinen Mitgliedern Sonderführungen, Vorträge, Fahrten zu besonderen Ausstellungen und andere Veranstaltungen. Im Jahr 2010 setzt der Verein zunächst die Veranstaltungsreihe „Klangfarben“ fort, bei der herausragende Kunstwerke des Museums Pfalzgalerie besprochen werden und dazu Musik aus ihrer Zeit gespielt wird.

Wir suchen noch Freunde der Kunst!
Werden Sie Mitglied und profitieren Sie von weiteren Vorteilen einer Mitgliedschaft wie freiem Eintritt zu allen Ausstellungen des Museums, persönlichen Einladungen und nicht zuletzt von anregenden Kontakten zu anderen Kunstfreunden.

 

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